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Das ist doch Ehrensache

Olaf Holz leitet seit 30 Jahren Erste-Hilfe-Kurse für das Deutsche Rote Kreuz in Worpswede

Worpswede. Fast jedes zweite Wochenende steht Olaf Holz in dem großen Gruppenraum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Handgriffe sitzen: Er breitet Matten aus, stellt Kisten mit unterschiedlichem Verbandsmaterial an die Seite und auch die Übungspuppen, an denen später von den Kursteilnehmern die Reanimierung geprobt wird, liegen schon zusammen mit dem Defibrillator auf dem Tisch an der Seite des Raumes. Wenn die Teilnehmer kommen, wird alles fertig vorbereitet sein.

Seit 30 Jahren ist Olaf Holz Ausbilder beim DRK Ortsverband Worpswede und mittlerweile seit neun Jahren auch als erster Vorsitzender des Ortsverbandes aktiv. Schon mit 16 Jahren ist er dem DRK beigetreten und mit 18 zum Ausbilder avanciert. „Ich wollte Gelerntes gerne weitergeben“, sagt er heute rückblickend über die ehrenamtliche Tätigkeit, die ihm nach wie vor Spaß bereitet.

Für die Ortsverbände Grasberg, Lilienthal und Worpswede, die alle gemeinsam ihren Sitz in der Worphauser Landstraße 54c haben, ist Holz der einzige Ausbilder für Erste-Hilfe-Kurse, im Kreisverband Osterholz sind es insgesamt elf Kursleiter, die in der Region aktiv sind.

Im vergangenen Jahr hatte der DRK-Kreisverband mehr als
2600 Kursteilnehmer, die sich in Sachen Erstversorgung schulen ließen. Darunter waren nicht nur wie gesetzlich vorgeschrieben betriebliche Gruppen von Mitarbeitern, die in ihren Unternehmen als Betriebsersthelfer eingesetzt werden oder jungen Leute, die zum Erwerb des Führerscheins eine Erste Hilfe Ausbildung vorweisen müssen, sondern auch privat Interessierte. Mehr als 600 Teilnehmer gab es bei dem Kurs „Erste Hilfe am Kind“ im vergangenen Jahr, die sich speziell an Eltern, Großeltern, Erzieher und an alle richtet, die mit Kindern zu tun haben.

Heute, so Holz, müssten Betriebe ihre Betriebshelfer alle zwei bis drei Jahre wieder zur Fortbildung schicken, denn auch in der Ersten Hilfe ändere sich immer mal wieder etwas. Und damit meint er nicht nur die Lehrmethoden. Früher sei viel mehr erklärt und vorgemacht worden, heute würde man die Kursteilnehmer in Kleingruppen Aufgaben zur Erstversorgung geben und dann korrigierend begleiten. „Man will ja die Angst nehmen“, erklärt er, denn viele Teilnehmer hätten oft Bedenken, dass sie etwas falsch machen könnten. Aber nur nicht handeln sei falsch. Meist mache man schon intuitiv alles richtig. Und da wo Unsicherheiten sind, wird Holz aktiv.

Während des achtstündigen Lehrgangs, der zumeist im Block stattfindet, lernen die maximal 15 Teilnehmer das richtige Verhalten bei Unfällen, bedrohlichen Blutungen, Verbrennungen, Vergiftungen sowie das Anlegen von Verbänden, wie man die Vitalfunktionen überprüft und zur Not auch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung einleiten kann. „Heute soll der Teilnehmer selbst denkend helfen“, erklärt Holz die neuen Lehrmethoden.

Aber auch in der Ersten Hilfe habe sich in den vergangenen 30 Jahren vieles verändert.  Die stabile Seitenlage hat sich vereinfacht und auch der Einsatz mit dem Defibrillator gab es früher nicht. Als junger Mann war Holz anfangs bei der Sanitätsbereitschaft. Dort werden heute unter der Leitung von Martin Torbeck Sanitätsdienste gewährleistet. Ob Rockkonzert, Reitturnier, Fußballevent, Ernte- oder Schützenfest, oft werden Ersthelfer benötigt, die vor Ort sind und in Notfällen schnell Hilfe leisten.

Auch Holz war anfangs dabei und erinnert sich: „Damals hatten wir nur einen Rucksack dabei, heute ist schon ein ganzes Auto vollgepackt.“ Das Equipment sei mehr geworden und die Technik habe sich weiterentwickelt, so Holz, aber auch der Anspruch und die Erwartungen der Menschen an fachlich kompetenter Versorgung im Notfall. Doch ihn freut die neue Technik, die ihn auch bei seinen Lehrgängen begleitet, wenn die Teilnehmer praxisgebunden mit den Übungspuppen und dem Defibrillator agieren.

Langweilig wird ihm dabei nicht. „Alle sechs bis sieben Jahre wird die Erste Hilfe überarbeitet und modernisiert, neue Technik kommt hinzu und so was motiviert auch die Ausbilder“, meint Holz. Er freut sich immer, neue Gesichter in den Kursen zu sehen und da viele aus Eigeninteresse kommen und motiviert sind, sei er immer noch mit Begeisterung dabei. Allerdings, so räumt er ein, könne er ein wenig Unterstützung schon gebrauchen. Denn die Kurse seien zahlreicher und themenspezifischer geworden.

Neben der normalen Erste-Hilfe-Ausbildung, wird in Erste Hilfe am Kind, Erste Hilfe 50+ und für Betriebsgenossenschaften unterschieden. Sein Steckenpferd sei die Erste Hilfe am Kind, auch wenn er dafür in die Kindergärten fahren und all die benötigten Materialien mitbringen muss. „Da sind immer viele Fragen, die aus dem Alltagsleben kommen“, meint er. Aber Holz weiß auch, dass Menschen oft nur einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren, wenn sie müssen oder wenn sie einmal betroffen waren. Das findet er schade, allerdings gäbe es auch viele Menschen die sehr motiviert wären und aus privatem Interesse einen Kurs absolvierten. Die Sensibilisierung für dieses Thema ist ihm wichtig, und so denkt er keinesfalls an das Aufhören und sagt strahlend: „Es macht einfach so viel Spaß!“

Deutsches Rotes Kreuz

Das Deutsche RoteKreuz (DRK) wurde 1921 als gemeinnütziger Verein gegründet und ist deutschlandweit mit knapp drei Millionen Mitgliedern, davon 2,9 Millionen Fördermitgliedern, einer der größten Wohlfahrtsverbände Deutschlands mit hauptamtlichen Arbeitnehmern und Ehrenamtlichen.

Der Worpsweder Ortsverbandhat knapp 500 Fördermitglieder, davon etwa 40 Aktive. Die ehrenamtlichen Helfer im Ortsverband Worpswede organisieren Blutspendetermine, engagieren sich in der Kleiderkammer gemeinsam mit Lilienthal und Grasberg, stellen Sanitätsdienste für Großveranstaltungen bereitgestellt und bieten Erste-Hilfe-Kurse an.

„Ich wollte Gelerntes weitergeben.“

Olaf Holz, Ausbilder beim DRK

18. September 2019 11:32 Uhr. Alter: 60 Tage