Sie sind hier: Aktuelles » 

"Wir können Nachwuchs gebrauchen"

Das Interview: Tammo Löffler über Entwicklung und Zukunft des DRK-Ortsvereins Schwanewede

Gabriela Keller

Was hat die Schwaneweder vor 70 Jahren veranlasst, einen DRK-Ortsverein ins Leben zu rufen.

Tammo Löffler: Treibende Kraft war Pastor Walter Heddenhausen. Er war ein sehr sozial engagierter Mensch. Er hat den Verein gegründet und als erster Vorsitzender die Rotkreuz-Arbeit mit anderen vor Ort in Schwanewede aufgebaut.

Was waren erste Aufgaben, denen sich der neu gegründete Verein widmete?

Eine der Hauptaufgaben war schon damals der Sanitätsdienst bei größeren Veranstaltungen, weitere Schwerpunkte die Frauen- und Seniorenarbeit. Bei den Veranstaltungen des Roten Kreuzes wurde damals selber gekocht. Pastor Heddenhausen organisierte dafür eine gebrauchte Küchenausrüstung.

Wie hat sich die Vereinsarbeit im Laufe von 70 Jahren entwickelt?

In früheren Jahren gab es eine Wasserwacht, die auf Harriersand an Wochenenden den Strand bewachte. Eine der zentralen Aufgaben ist der Blutspende-Dienst. Seit 1959 hat der Ortsverein insgesamt 172 Spendentermine mit insgesamt 36 621 Spendern durchgeführt. Die Jugendrotkreuz-Arbeit wurde aufgebaut. Zeitweise hatten wir sehr viele Jugendliche, die hier die Grundsätze und die Arbeit des Roten Kreuzes kennenlernten. Zurzeit gibt es in Schwanewede keine Gruppe, das wollen wir aber ändern. Bis heute ist der Ortsverein in der Seniorenarbeit sehr aktiv. Regelmäßig gibt es Kaffee-Klönnachmittage. Vier Mal im Jahr bieten wir Tagesausflüge in die Region an, die werden sehr gut von den Senioren angenommen. Bis vor wenigen Jahren gab es auch eine Behindertengruppe. Sie musste eingestellt werden, weil die Leiterin aus Altersgründen aufhörte. Es ist allgemein sehr schwer, Nachwuchs für die ehrenamtliche Arbeit zu finden. Das wird auch unsere Seniorenarbeit betreffen. Die Damen, die den Bereich über viele Jahre betreut haben, hören aus Altersgründen Ende des Jahres auf. Wir suchen Interessierte, die die Arbeit fortsetzen wollen. 

Wo ist der Ortsverein noch aktiv?

Die Bereitschaft unterstützt im Bereich des Sanitätsdienstes bei Konzerten, Reitturnieren, dem Erntefest und anderen Veranstaltungen in Schwanewede. Wir haben eine sehr aktive Bereitschaft. Von den 15 bis 20 Aktiven sind viele Jüngere im Alter zwischen 17 und Mitte 20. Als einziger Ortsverein im Landkreis Osterholz haben wir einen Männerarbeitskreis. Der Kreis hat sich viele Jahre um die Pflege des DRK-Geländes am Junkernkamp gekümmert, kleinere Reparaturarbeiten im Gebäude der Rettungswache ausgeführt und andere Gruppen im Ortsverein unterstützt. In früheren Jahren halfen sie auch bei kleinen Reparaturen im Haushalt von Senioren. Aus Altersgründen löst sich der bestehende Kreis jetzt auf. Auch in diesem Fall würden wir uns freuen, wenn sich neue Aktive finden.

Was waren Meilensteine in der Vereinsgeschichte?

Als 2015 in der ehemaligen Lützow-Kaserne von drei DRK-Kreisverbänden eine Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet wurde, hat sich der Ortsverein Schwanewede sehr stark engagiert. Mitglieder halfen beim Bettenaufbau und bei der Betreuung, unterstützten die Kleiderkammer, boten Sprachkurse an. Ein weiterer Meilenstein war 1984 die Einrichtung der Rettungswache am Junkernkamp. Als Ortsverein können wir Räume im Obergeschoss der Wache nutzen. Mit dem Kreisverband, der Eigentümer der Rettungswache ist, teilen wir uns die Nutzung der Fahrzeughalle. Für die Bereitschaft haben wir einen Mannschafts- und einen Krankentransportwagen, ein kleinerer Transporter steht für den Blutspendedienst und Seniorenausflüge zur Verfügung. Derzeit haben wir in der Halle zwei Fahrzeuge stehen, weil seit einiger Zeit ein zweiter Rettungswagen des Kreisverbandes in Schwanewede stationiert ist. Nach dem Aus- und Umbau der Rettungswache werden wir dort wieder alle unsere Fahrzeuge unterbringen können. Für den zweiten Rettungswagen des Kreisverbandes wird zwischen Halle und Wache-Gebäude eine neue Garage gebaut.

Wie profitiert der Ortsverein sonst vom Umbau der Rettungswache?

Künftig werden wir das Obergeschoss des alten Wache-Gebäudes komplett nutzen können. Die Räume werden vergrößert und modernisiert. In einem Gruppenraum haben wir künftig die Möglichkeit, Veranstaltungen mit größeren Gruppen durchzuführen, früher war immer alles etwas beengt. Wir möchten hier Kurse „Sofortmaßnahmen am Unfallort“, die beim Erwerb von Führerscheinen vorgeschrieben sind, in Kooperation mit den örtlichen Fahrschulen anbieten. Die Räumlichkeiten könnten auch für Entspannungs-, Präventions- und Gesundheitskurse genutzt werden. Auf diese Weise wollen wir uns als Ortsverein auch den Schwaneweder Bürgern mehr öffnen.

Wie viele Mitglieder hat der Ortsverein, wie viele davon sind ehrenamtlich aktiv?

Wir haben 682 Mitglieder, darunter 50 bis 60 Aktive.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs im Ortsverein aus?

Das ist eine Baustelle. Für den Vorstand konnten wir mit Christian Joswig als stellvertretendem Vorsitzenden und Klaus-Peter Altehöfer als Kassierer etwas jüngere Verstärkung gewinnen. Für die ausscheidende Leiterin der Seniorengruppe, Susanne Joswig, und den Leiter der Männerarbeitskreises, Otto Niebank, suchen wir Nachfolger im Vorstand. Auch für den Blutspende-Dienst können wir jüngeren und tatkräftigen Nachwuchs gebrauchen.

Wie versucht der Ortsverein, Menschen für die ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen?

Die persönliche Ansprache bringt am meisten, haben wir festgestellt. Auch mit Aktionen wie etwa den Bücherverkauf für die Knochenmark-Typisierung auf dem Marktplatz gehen wir an die Öffentlichkeit. Erstmals wird sich der Ortsverein in diesem Jahr am 3. Dezember am lebendigen Adventskalender der evangelischen Kirchengemeinde beteiligen.

Wie will sich der Ortsverein für die Zukunft aufstellen?

Unsere Schwerpunkte bleiben die Blutspende und die Bereitschaft. Wir möchten die Seniorenarbeit und den Männerarbeitskreis fortführen. Dafür brauchen wir neue Aktive und neue Ideen. In Schwanewede gibt es 5000 Menschen über 60 Jahre, habe ich mal gehört. Da werden sich doch wohl welche finden, die bei uns mitwirken wollen. Das Jugendrotkreuz wollen wir neu aufbauen, denn das ist für uns der potenzielle Nachwuchs, auch für die Bereitschaft. Dazu wollen die Schulen ansprechen.

Welche konkreten Projekte sind geplant?

Wir wollen einen Flyer entwickeln, um uns als Ortsverein mit unserer Arbeit vorzustellen. Ein konkretes Projekt für das nächste Jahr ist ein eigener Internet-Auftritt, daran arbeiten wir.

Das Gespräch führte Gabriela Keller.

Tammo Löffler (50)

ist seit April 2018 Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Schwanewede, davor war er sieben Jahre stellvertretender Vorsitzender. Der Vater von zwei Kindern ist von Beruf Lehrer.

Die Norddeutsche - 21.11.2019

 

 

25. November 2019 15:48 Uhr. Alter: 17 Tage