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Maschenweise Wollkilometer

Die Basargruppe des DRK-Ortsvereins Osterholz strickt für den guten Zweck

Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Der Weihnachtsmarkt in Osterholz-Scharmbeck oder auch der Kunsthandwerkermarkt in der Museumsanlage der Kreisstadt – sie wären ohne den Stand der Basargruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gar nicht denkbar. Auf den Tischen stapeln sich dann handgestrickte warme Socken, flauschige Schals, gehäkelte Schultertücher und Jäckchen für Kinder und Babys. Unter den Ausstellungstischen, dem Auge der Kauflustigen verborgen, haben die Damen des DRK noch mehr Vorräte an Handarbeiten mitgebracht. „Sie werden nicht erleben, dass auf unserem Stand einmal Ebbe an Stricksachen herrscht“, sagt Brunhilde Rühl, stellvertretende Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Osterholz, mit einem Schmunzeln.

Die DRK-Basargruppe besteht schon seit über 50 Jahren. „Früher hatten wir sogar zwei Basargruppen – die ‚Uhus‘, also die unter Hundertjährigen und die ‚Ü40‘, die über Vierzigjährigen“, erzählt Brunhilde Rühl. Erst kürzlich wurden die beiden Gruppen zusammengefasst, denn viele der „Uhus“ wollten aus Altersgründen ausscheiden, während etliche der „Ü40“ mittlerweile in die „Uhus“ hineingewachsen sind. Da stellt sich die Frage nach dem Nachwuchs. „Wir suchen händeringend Strickerinnen“, bestätigt auch Barbara Gödecke. Sie ist schon seit Jahren Mitglied in der Basargruppe und deren Leiterin. Gemeinsam mit Bertha Frahm, Lieselotte Bergmann, Elfriede Tietjen, Ingrid Wittfogel, Karin Schock, Hannelore Heuer, Brunhild Sobotka, Manuela Heinecke und Renate Tiemann bestückt sie die Verkaufstische mit liebevoll hergestellten Produkten.

Die Strickerinnen treffen sich dafür dienstags in einem Raum im Anbau der Station des DRK in der Bördestraße. Barbara Gödecke hat um 15 Uhr, wenn die anderen Damen kommen, schon den Kaffee bereitet. Dann wird das Strickzeug vorgenommen, werden begonnenen Arbeiten fertiggestellt. Oft kommt sogar Carsten Koglin, Vorsitzender des DRK-­Ortsvereins, kurz vorbei und fragt, ob die Damen alles haben, was sie brauchen.

„Wir stricken nicht ausschließlich Socken, Mützen und Schals“, sagt Elfriede Tietjen. „In letzter Zeit habe ich auch mehrfach Kniedecken für Rollstuhlfahrer gestrickt. Außerdem werden bei uns Tischdecken gehäkelt oder Tischdecken bestickt, und ein ganz besonderer Renner sind die kleinen, gehäkelten Tiere, die von Ute Gloistein gemacht werden.“

Renate Tiemann sitzt für die Basargruppe gern zu Hause an ihrer Nähmaschine. Dort fertigt sie farbenfrohe Einkaufstaschen aus Stoffresten oder die so äußerst beliebten Klammerbeutel, die auf einem Kleiderhaken an die Wäscheleine gehängt werden können. „Gerade habe ich Nachricht von Renate bekommen – sie hat wieder zehn Klammerbeutel fertig“, verkündet Brunhilde Rühl nach einem Blick auf ihr Mobiltelefon. Das sind gute Nachrichten, denn es bedeutet, dass dieser beliebte Artikel  jetzt rechtzeitig zum Weihnachtsmarkt Anfang Dezember wieder auf dem Stand des DRK zu finden sein wird.

Vor 50 Jahren, in den Anfangszeiten der Basargruppe, wurde auch noch für mehrmals jährlich stattfindende Basare des Deutschen Roten Kreuzes gearbeitet. „Damals wurden unter anderem auch Adventgestecke und Christbaumschmuck gebastelt – was uns wohl bei einigen Leuten den Namen ‚Bastelgruppe‘ eingebacht hat –, aber das sind wir nicht“, macht Rühl mit Nachdruck deutlich. Die Basare des DRK, besonders der Adventbasar am letzten Novemberwochenende vor dem Weihnachtsmarkt in Osterholz-Scharmbeck, wurden weniger und weniger besucht und deshalb schließlich ganz eingestellt. Der Aufwand für die sechs Stunden Basaröffnung war einfach zu groß, nachdem mit der Durchsetzung des Feiertagsgesetzes der Stadt Osterholz-­Scharmbeck ein Basar am Totensonntag nicht gestattet wurde.

Die Nachfrage nach den schönen Stricksachen jedoch blieb, und so sind die fleißigen Handarbeiterinnen jetzt mit großem Erfolg auf den lokalen Kunsthandwerker- und Weihnachtsmärkten vertreten. „Die Wolle für unsere Projekte kommt aus Spenden“, sagt Barbara Gödecke. „Nur die Sockenwolle kaufen wir selbst!“ Moderne Sockenwolle ist waschmaschinengeeignet und läuft kaum ein. Bei gespendeter Wolle kann oft nicht genau gesagt werden, aus welchem Materialmix die Wolle besteht.

Mit den Werken ihrer Hände haben die Damen im Laufe der Jahre bereits viele Projekte in Osterholz-Scharmbeck unterstützt. „Was wir auf den Märkten einnehmen, ist in letzter Zeit als Spende zum Beispiel in den Aufbau der Osterholzer Friedhofsmauer, die Rettungshundestaffel und ins SOS-Kinderdorf geflossen“, zählt Brunhilde Rühl auf. Auch das Hospiz und die Sterbebegleitung wurden durch Spenden aus dem Verkauf der Basargruppe unterstützt, ebenso wie das Trauercafé, Anderland und die Tafel, beziehungsweise die Wärmestube. „Im Schnitt spenden wir zwischen 1000 und 2000 Euro. Wofür wir spenden wollen, beschließen wir gemeinschaftlich in der Gruppe“, sagt Barbara Gödecke. Die emsigen Strickerinnen nicken lächelnd dazu und drehen auf dem Nadelspiel weiter ihre farbenfrohen Runden.

„Sie werden nicht erleben, dass auf unserem Stand Ebbe an Stricksachen herrscht.“

Brunhilde Rühl

Quelle: WESER-KURIER - 17.11.2019

 

20. November 2019 07:18 Uhr. Alter: 22 Tage