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Engpässe in den Kitas

Krankmeldungen und Ausfälle stellen Einrichtungen in Lilienthal fast täglich vor neue Herausforderungen

Lutz Rode

Lilienthal. Für den Lilienthaler Fachbereichsleiter Andreas Cordes ist es eine Art "Dauerschleife", in der sich die Gemeindeverwaltung befindet. Händeringend sucht das Rathaus Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte für Krippen und Kindergärten – wie alle anderen Träger solcher Einrichtungen auch. Annoncen werden geschaltet, die Gemeinde setzt sich als attraktiver Arbeitgeber in Szene und auch bei Zeitarbeitsfirmen steht sie längst auf der Matte. Trotz allem bleibt die Bewerberlage dünn. Es gibt derzeit schlicht nicht genug Fachkräfte auf dem Markt.

Wie sehr die Lage angespannt ist und die Nerven bei den Beteiligten inzwischen blank liegen, zeigt sich auch, wenn wie in den vergangenen Wochen die erste Grippewelle einsetzt und sich Erzieherinnen kurzfristig krank melden – zusätzlich zu Langzeiterkrankungen, Urlaubsabwesenheiten oder vorsorglich ausgesprochenen Beschäftigungsverboten bei Schwangerschaften. Nicht immer kann die Gemeinde diese Lücken mit ihrem Pool von Vertretungskräften so auffangen, wie sich das die Eltern wünschen und einfordern. Ein Beispiel ist der Kindergarten "Heidberger Rappelkiste". Dort konnte der Betrieb nach Krankmeldungen im Oktober und auch Anfang November an mehreren Tagen nur notdürftig aufrecht erhalten werden.

Der Heidberger Kindergarten besteht normalerweise aus einer 20-köpfigen Gruppe, um die sich zwei Erzieherinnen kümmern. Wenn eine ausfällt und kein Ersatz kommt, geht es für die verbliebene Fachkraft hinüber zum Seeberger Kindergarten. Allein darf eine Erzieherin nicht in einer Kita arbeiten, daher ist für sie und die Kinder der Ortswechsel nötig. Doch nur maximal zehn Heidberger Kinder darf sie betreuen. Das bedeutet: Für zehn Kinder fällt der Kindergarten an solchen Tagen aus und sie bleiben dann nach Absprache mit den Eltern zu Hause. "Wir tun unser Möglichstes, solche Situationen zu verhindern. Wir wissen, dass das für die Eltern schwierig ist", sagt Andreas Cordes.

Bei den Eltern kommt angesichts von Notdiensten und eingeschränkten Betreuungszeiten Unmut auf, wie ein Schreiben zeigt, das eine berufstätige Mutter an die WÜMME-ZEITUNG geschickt hat. Von der Verwaltung fühlt sie sich abgewürgt, wenn sie sich über die Zustände beschwert. Mit Personalmangel, so sagt sie, hätten schließlich alle Einrichtungen bundesweit zu kämpfen, und am Ende des Tages gebe es einen Betreuungsvertrag, dem die Gemeinde nicht nachkomme. Im Rathaus will man die Verpflichtung, den Betrieb in den Kitas aufrecht zu erhalten, gar nicht infrage stellen. Was den Pool der Vertretungskräfte angehe, erfülle man jedoch nicht nur den gesetzlich vorgegeben Schlüssel, sondern habe sogar mehr Kräfte als das Mindestmaß im Einsatz. Von den 56 Fachkräften, die in den Kitas der Gemeinde arbeiten, sind elf als Vertretungskräfte im Einsatz. Dennoch könne es zu Einschränkungen kommen, davor sei man nicht gefeit.

Die Gemeindeverwaltung ist mit ihren Problemen nicht allein. Auch für die freien Träger ist es an manchen Tagen eine echte Herausforderung, den Laden am Laufen zu halten. Vielleicht ist es auch eine Frage der Kommunikation, wie man mit der Lage umgeht: Denn der Austausch mit den Eltern sei das A und O, hat Eugenia Danae Papageorgiou festgestellt, die beim Osterholzer Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes für die Kindertagesstätten verantwortlich ist und damit auch für den "Wümmekieker" an der Lilienthaler Mauerseglerstraße. "Wir legen Wert darauf, die Eltern immer auf dem aktuellen Stand zu halten, welche Engpässe absehbar sind und wie wir darauf reagieren möchten. Transparenz ist alles", sagt die DRK-Fachbereichsleiterin. Personell gebe es gegenüber der Gemeinde keinen Unterschied: Man halte einen Pool an Vertretungskräften vor, die flexibel eingesetzt werden. Die Grundlage dafür sei das Kita-Gesetz – und das gelte für alle Träger von Kindertagesstätten. "Wen n der Vertretungs-Pool ausgeschöpft ist, müssen eben Plan A, B und C her", sagt Papageorgiou. Freie Stellen, die unbesetzt sind, gibt es in den zwölf Kitas des DRK-Kreisverbandes Osterholz derzeit nicht. 

Auch für Stefan Schmidt-Sonnenberg, stellvertretender Geschäftsführer bei der Lebenshilfe Osterholz, gehört der Umgang mit personellen Engpässen und die Suche nach flexiblen Lösungen zum Alltag. "Wir gucken jeden Einzelfall an und entscheiden dann, was getan werden kann. Keine der Kita-Leitungen macht es sich leicht", sagt er. Manchmal gehe es nicht anders und die Betreuungszeiten würden eingeschränkt oder Gruppen zusammengelegt, wenn auch mehrere Kinder krank gemeldet seien. Und manchmal würden Eltern gefragt, ob sie ihre Kinder zu Hause lassen könnten. "Dass gar nichts geht, kommt selten vor", so der Personalchef der Lebenshilfe. Er hat auch festgestellt: Der Druck bei den Eltern ist besonders groß, wenn beide berufstätig sind und sie darauf angewiesen sind, dass ihnen die Kinder abgenommen werden. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz sei das eine, die Verantwortung für das Wohl der Kinder würden letztlich immer die Eltern tragen.

"Wir tun unser Möglichstes, solche Situationen zu verhindern."

Andreas Cordes, Fachbereichsleiter

Wümme-Zeitung vom 07.11.2019

14. November 2019 16:54 Uhr. Alter: 28 Tage